Kurswechsel

Neues Strategiepapier: USA wollen Vorherrschaft in der westlichen Hemisphäre wiederherstellen

Die Vereinigten Staaten richten ihre militärischen Prioritäten grundlegend neu aus. Was bedeutet die neue Verteidigungsstrategie für Europa?

Das Gebäude des US-Verteidigungsministeriums Pentagon
Das Gebäude des US-Verteidigungsministeriums PentagonJen Golbeck/SOPA Images/imago

Die USA verabschieden sich von ihrer bisherigen Fokussierung auf China als größte sicherheitspolitische Herausforderung. Das am Freitag veröffentlichte Strategiepapier des Pentagon für 2026 setzt stattdessen die innere Sicherheit und die westliche Hemisphäre an die Spitze der Prioritätenliste. Verbündete in Europa und anderen Regionen müssen künftig mit deutlich weniger amerikanischer Unterstützung rechnen.

Mit der „westlichen Hemisphäre“ bezeichnet das Pentagon den gesamten amerikanischen Kontinent, den die USA traditionell als ihre sicherheitspolitische Kernzone und vorrangigen Einflussbereich betrachten.

Die Nationale Verteidigungsstrategie (NDS) markiert damit einen Bruch mit der Politik unter dem früheren US-Präsidenten Joe Biden. Dessen Strategie hatte China noch als wichtigste Herausforderung Washingtons eingestuft. Das neue Dokument fordert hingegen „respektvolle Beziehungen“ zu Peking – ohne dabei Taiwan zu erwähnen, das von den USA politisch und militärisch unterstützt wird und von China als eigenes Territorium beansprucht wird.

Heimatschutz und Lateinamerika rücken nach vorn

Das Pentagon „wird die militärische Vorherrschaft der USA in der westlichen Hemisphäre wiederherstellen. Wir werden sie nutzen, um unser Heimatland und unseren Zugang zu wichtigen Gebieten in der gesamten Region zu schützen“, heißt es in dem Papier. Diese Priorisierung deckt sich mit der im Dezember veröffentlichten nationalen Sicherheitsstrategie von US-Präsident Donald Trump.

„Da sich die US-Streitkräfte auf die Verteidigung ihres eigenen Gebiets und den indopazifischen Raum konzentrieren, werden unsere Verbündeten und Partner in anderen Regionen die Hauptverantwortung für ihre eigene Verteidigung übernehmen“, heißt es in dem Dokument. Dabei würden die Partner von den US-Streitkräften eine „entscheidende, aber begrenztere Unterstützung erhalten“.

Auch die Einschätzung Russlands hat sich gewandelt: Die Bedrohung durch Moskau wird als „anhaltend, aber beherrschbar“ beschrieben. Sie betreffe zudem vor allem die östlichen Nato-Partner, so das Strategiepapier. Unter Biden galt Russland noch als „akute Bedrohung“.

Was die Neuausrichtung für Europa bedeutet

Die Einstufung der russischen Bedrohung als „beherrschbar“ steht dabei im Kontrast zur Wahrnehmung vieler osteuropäischer Staaten, die sich seit dem russischen Angriff auf die Ukraine einer direkten Gefährdung ausgesetzt sehen.

Für die europäischen Nato-Partner dürfte diese strategische Wende spürbare Konsequenzen haben. Die Formulierung einer nur noch „begrenzten“ Unterstützung signalisiert, dass europäische Staaten ihre Verteidigungsausgaben und militärischen Kapazitäten substanziell ausbauen müssen.

Die neue Strategie spiegelt eine grundsätzliche Neubewertung amerikanischer Sicherheitsinteressen wider: Weg von der Großmachtrivalität mit China als zentralem Ordnungsprinzip, hin zu einer stärkeren Fokussierung auf die unmittelbare Nachbarschaft und den Heimatschutz.

Für die europäischen Verbündeten zementiert dies, was sich bereits seit der Amtsübernahme von US-Präsident Trump abzeichnet: dass sie sich auf eine Ära größerer sicherheitspolitischer Eigenverantwortung einstellen müssen.

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